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The Road


USA 2009
Regie: John Hillcoat
Darsteller: Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron, Robert Duvall, Guy Pearce, Molly Parker

Nach einer globalen Umweltkatastrophe ist nichts mehr so, wie es einmal war: Die Vögel sind für immer verstummt, es lebt kein Tier mehr auf der Erde, ganze Wälder gehen regelmäßigen in Flammen auf und hinterlassen verdorrte, unwirtliche Landstriche, frostige Kälte legt sich auf alles, das seine Existenz bewahrt hat, der Himmel ist grau und zeigt, dass die Erde schon lange von der Sonne aufgegeben wurde – sie liegt im Sterben. Zwischendrin irren Menschen durch die Ödnis, durch verlassene und längst geplünderte Geisterstädte, auf der Suche nach rar gewordenen Lebensmitteln.

Zu jenen Überlebenden zählen auch ein Vater und sein Sohn. Wie Nomaden ziehen sie von Ort zu Ort mit einer Einkaufskarre, in der sie ihr bescheidenes Hab und Gut transportieren: ein paar Decken gegen die zitternde Kälte der Nächte, Dosen, vor der Katastrophe konserviert und in einer der noch wenigen nicht ausgebeuteten Vorratskammern gefunden. Die Lebensmittelknappheit hat indes dazu geführt, dass sie niemandem mehr trauen können, denn nicht alle Menschen, denen sie begegnen, sind ihnen wohlgesonnen. Moralische Werte scheinen ein Ding der heiteren Vergangenheit zu sein: der Kannibalismus hat Einzug gehalten und mehr als einmal müssen Vater und Sohn den menschenjagenden Banden entkommen. Dabei bewegen sie sich immer in Richtung Süden, wo sie sich bessere Lebensbedingungen erhoffen.

Der Film von John Hillcoat, basierend auf dem 2006 erschienenen Roman von Cormac McCarthy, zeichnet die post-apokalyptische Welt in schockierend düsteren Bildern. Ein Vergleich mit anderen Katastrophenfilmen ist kaum möglich, denn „The Road“ setzt nicht auf monumentale Effekte von einstürzenden Gebäuden und riesigen Flutwellen, sondern belässt die Umstände der Katastrophe vielmehr außer Betracht, indem er gerade durch die Entfaltung von langfristigen Folgen seine eigene, grausige Atmosphäre entwickelt.

„The Road“ ist psychisch höchst belastend; viele Bilder brennen sich tief ein, scheinen einem Horrorfilm entnommen: ausgemergelte Menschen, die von Kannibalen wie Tiere in Kellerräumen gehalten werden, der verzweifelte Vater, der seinem Sohn zeigt, wie er im Notfall den Revolver in seinem Mund platziert, die überforderte Mutter, die nachts in leichter Kleidung in Kälte und Dunkelheit hinauszieht und nie zurückkommt. Doch die wenigen Glücksmomente zählen umso mehr. Als Vater und Sohn eine Dose Cola teilen, in einem Verschlag eine Vorratskammer entdecken und einen Tag lang wie Könige leben, als sie sich nachts vor dem Lagerfeuer schwören, das Feuer in ihrem Herzen niemals erlöschen zu lassen, den Glauben an das Gute niemals aufzugeben, versteht man, wie sehr die Liebe zwischen Vater und Sohn ihnen Kraft und Hoffnung schenkt.

Es wird deutlich, dass „The Road“ nicht auf Spannungsaufbau abzielt, sondern seinen Sinn darin findet, den Zuschauer vor möglichen Folgen einer Umweltkatastrophe zu warnen, ihn zu einem vorsichtigeren Umgang mit der Natur zu ermahnen und letztendlich zu deren Wertschätzung. Mit der Umwelt stirbt schließlich auch die Zivilisation und der pure Kampf ums Überleben beginnt. Gleichzeitig beleuchtet der Film das Szenario der menschlichen Psyche im Angesicht des bloßen Überlebens: Wird er zum Tier und streift alle zuvor noch so sehr gepflegten moralischen Vorstellungen ab oder ist er trotz Allem in der Lage, das Gute in sich zu bewahren? Dem Regisseur John Hillcoat und vor Allem den ergreifend spielenden Darstellern Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee gelingt diese Umsetzung so gut, dass man sich oft einfach nur überwältigt fühlt.

Letztlich verliert der Film nur durch sein übertrieben unkompliziertes Ende, das trotzdem noch Fragen offen lässt, jedoch immerhin einen leichten Funken Hoffnung streut ohne auf dramatische Veränderung zu setzen. Das allzu realistische Szenario bleibt jedoch tief ergreifend und schockierend gerade durch seine Authentizität. „The Road“ ist ein Film, den man nicht so schnell vergisst.