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Reiseprosa

Harmonie der Reise II
08.11.2010

O Reise! Wie bringst du mich fort, von allen Dingen, die ich liebe
und welche Torheit ist es, mit der du in bange Fremde entführst!
An meinem Leben, meiner Zeit, meinem Geliebten machst du dich zum Diebe,
bringst mir endlose Leere, sodass du alles mit den Fingern des Todes berührst.

Ich reise und alles fällt in Staub, was ich vorher geliebt und gekannt
und du, Reise, lachst sanft und je länger ich fort bin, desto mehr
denke ich, wie fremd mir doch das Bekannte und das Fremde bekannt.
Und nun, Sirene, lasse ich mich in deine Arme gleiten, mein Sinn ist leer.

Süßem Gleichmut verfallen sinke ich hinab in deine schwebende Welt
und die Länder fliegen vorüber wie verfallene Gedanken, Relikte des Lebens,
das ich nicht zu fassen versuche, keine Geschichte, kein Mensch der mich hält
und kennt an keinem Ort, denn du bist das Ungewisse meines sehnlichen Strebens.

Bei deinem Angedenken war unwohl und schwer mir zumute – vorerst!
Denn nun liege umnebelt und leicht ich in deinen Händen und sehe,
wie alles vor meinen Augen vergeht, o Verderben, Reise, die du mich belehrst
so wie ich bin, wie ich war, wie ich denke, wofür ich stehe und wie ich vergehe…

Graham Greene (1904-1991) - Schriftzug an einer Hauswand in Weimar