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Queenstown (Neuseeland)

42 Meter in die Tiefe -

Bungy Absprung Kawarau Bridge, Queenstown

Extremsport in Neuseeland

Neuseeland. Der friedliche Pazifikstaat ist vor Allem bekannt durch seine grünen Früchte, seine gelassene Lebensart und eine malerische Landschaft, die von kilometerlangen Stränden, dichten Regenwäldern und schwarzem Vulkangestein bis zu schneebedeckten Gipfeln reicht. Dass die Kiwis ihre Natur- und Freiheitsliebe auf ganz spezielle Weise ausüben, ist ein oft übersehener und unbekannter Aspekt. Ob Bungy Jumping, Sky Diving oder Wildwasser-Rafting – Neuseeland ist die Heimat des Extremsports. Und lockt damit jährlich tausende abenteuersuchende Touristen auf seine zwei Hauptinseln.

Queenstown liegt eingebettet in den Neuseeländischen Alpen, eine Gebirgskette, die sich über die gesamte Südinsel Neuseelands zieht, zählt gerade einmal über zehntausend Einwohner. Durch ihre direkte Nähe zum Skigebiet der Remarkables ist die Stadt zu einem stetig beliebter werdenden Skiort konvertiert. Doch die Seele der Stadt liegt anderswo. Wo man in Queenstown vielfältige Einkaufsmöglichkeiten anzutreffen erwartet, sucht man vergebens. Stattdessen finden sich auf der Hauptstraße, der berüchtigten Shotover Street, ein Abenteueranbieter neben dem nächsten – Shopping für Adrenalinhungrige. Es ist für jeden etwas dabei – wer abseits der „klassischen“ Aktivitäten wie Fallschirmspringen seinen persönlichen Kick sucht, begleitet einen Kunstflieger bei Stunts, schaukelt an einem Seil befestigt durch Canyons oder erkundet mit einer Lampe bewaffnet hautenge Höhlensysteme. Neuseeland ist das Land des Extremsports. Und Queenstown seine Hauptstadt.

Südseetradition der Moderne

Nur durch ein Gummiseil gesichert von meterhohen Plattformen springen – was von den Lianenspringern von Pentecôte, Vanuatu schon seit Jahrhunderten traditionell praktiziert wird, ist in Neuseeland längst zu einem ertragreichen Geschäftszweig geworden. Seit den ersten Popularisierungsversuchen des „Bungy Jumpings“ durch den Neuseeländer A.J. Hackett in den 1980ern beherbergt Neuseeland heute eine beachtliche Menge von Absprungplattformen. Die älteste und die höchste befinden sich, wie es nicht anders sein könnte, in Queenstown. Von der Kawarau Bridge stürzt der Abenteuerlustige 43 Meter in die Tiefe; sie ist der erste Absprungort der Welt und der wohl bekannteste. Wer den ultimativen Kick sucht, lässt sich zu einer speziell erbauten Glaskapsel über dem Nevis Canyon fahren – und springt dem 134 Meter entfernten Fluss entgegen, der sich malerisch durch die Schlucht schlängelt.

Schwindeliger Panoramablick

In der heutigen Zeit ist Fallschirmspringen längst nicht mehr ausschließlich Berufsspringern vorbehalten. Der von der Freizeitindustrie erschlossene Sport nennt sich nun Sky Diving und erfreut sich besonders im Land der Kiwis einer immer wachsenden Beliebtheit. Wer keine Ausbildung vorweisen kann, jedoch trotzdem nicht auf das besondere Erlebnis verzichten möchte, kann sich für die Himmelstauchfahrt an einem erfahrenen Springer befestigen lassen. Queenstown gilt als einer der beliebtesten Orte Neuseelands für einen solchen Tandem-Sprung. Während man mit zweihundert Stundenkilometern dem viertausend Meter entfernten Boden entgegen rast, zeigen sich die Southern Alps von ihrer schönsten Seite. Wer Mut für den Sprung aufbringt, wird mit einem unvergleichlichen Blick über schneebedeckte Gipfel und Gebirgsseen belohnt.

Bootstour für Hartgesottene

Wie in Queenstown so manches extremer ist als in anderen Städten, so ist auch Paddeln hier definitiv nichts für Wasserscheue. Die Abenteurer rüsten sich mit Neoprenanzug, Schwimmweste und Helm, denn ganz ohne Risiko bleibt das sogenannte Rafting trotz ausgebildetem Führer nicht. Schließlich wird mit einem einfachen Schlauchboot gefahren und das durch felsendurchsetztes Wildwasser mit all seinen Strudeln und Strömungen. Gerade Neuseeland bietet Gelegenheit, den Sport nach Belieben auszuüben – während viele Länder lediglich das Befahren der vierten von sechs Schwierigkeitsstufen erlauben, so kann sich auf den Inseln des Extremsports der Rafter auch der fünften Stufe stellen. In Queenstown lassen sich Wildwassertouren auf dem Shotover River unternehmen, der zwischen den Stufen zwei und fünf variiert.

Queenstown – vitaler Pol oder Zweckexistenz?

Campingplätze, Abenteuerindustrie und Nachtlokale – wer nach Queenstown kommt, der ist nicht auf der Suche nach Kultur, nach Ruhe und Bergidyll, der ist jung, lebt für den Moment und sucht in Queenstown jenes intensive Lebensgefühl, das zwischen Angst, Triumph und dennoch Sicherheit liegt, ein Schnuppererlebnis der Extreme. Queenstown scheint somit eine Stadt der Suchenden zu sein. Doch finden sie hier, was sie suchen? Ist Queenstown gar das Ziel jener Suche? Letztendlich erscheint die Stadt wie vom Parasiten des Adrenalintourismus befallen, ein Parasit, der sie zwar entzaubert, dennoch künstlich am Leben erhält - eine pulsierende Geisterstadt. Wer in Queenstown nach Lebensgefühl sucht, wird fündig. Doch kann es auf lange Zeit nicht befriedigen, da es, eben wie der Geist der Stadt ein am realen Vorbild nachgebildetes ist. Der Weg ist das Ziel. Und Queenstown bleibt somit nur eine Station auf der Suche nach dem wahren Leben.